in Arbeit / in work
„Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.“ - Karl Marx
(in „Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ (1843/44) )
„Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen, lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zurzeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht.“ - Kurt Tucholsky
Freidenker sind Menschen, die dogmatische Glaubenslehren ablehnen und ihr Weltbild stattdessen auf Vernunft, wissenschaftliche Erkenntnis und individuelle Selbstbestimmung gründen. In Deutschland ist die Geschichte der Freidenkerbewegung eng mit der Aufklärung, der Entstehung der bürgerlichen Freiheitsrechte und der Arbeiterbewegung verwoben.
Aufklärung (17. und 18. Jahrhundert): Die Ursprünge des organisierten Freidenkertums liegen in der europäischen Aufklärung. Philosophen wie Spinoza, Voltaire und Kant forderten den Vorrang der Vernunft gegenüber religiöser Autorität. Der Begriff des „Freidenkers“ (Freethinker) bildete sich um 1700 in England heraus und etablierte sich rasch als Bezeichnung für jene, die theologische Dogmen einer rationalen Kritik unterzogen.
19. Jahrhundert – Konstituierung und Massenbewegung: Im Vormärz formierten sich freireligiöse Gemeinden (darunter Lichtfreunde und Deutschkatholiken), die sich zunehmend von den Amtskirchen lossagten. Mit dem Aufkommen des Darwinismus und des naturwissenschaftlichen Materialismus wuchs die Bewegung rasant. Ab den 1880er-Jahren schlossen sich breite Teile der Arbeiterbewegung säkularen Verbänden an, um Bildung für das Proletariat, den Kirchenaustritt und eine rein weltliche Sozialethik voranzutreiben.
Weimarer Republik: In den 1920er-Jahren erreichte die Bewegung mit Verbänden wie dem Deutschen Freidenker-Verband ihren historischen Höhepunkt von über 500.000 organisierten Mitgliedern. Sie engagierten sich für weltliche Schulen, säkulare Riten und die Einführung von Feuerbestattungen.
Nationalsozialismus und Nachkriegszeit: 1933 verbot das deutsche faschistische Regime alle freidenkerischen Organisationen, beschlagnahmte deren Vermögen und verfolgte viele Funktionäre, bis hin zu deren Ermordung, wie bspw. Max Sievers, dem Vorsitzenden des Deutschen Freidenker-Verbandes in dieser Zeit.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fand die Freidenker-Bewegung nicht mehr zu ihrer früheren Größe aus der Weimarer Republik zurück: In der Deutschen Demokratischen Republik wurden viele Themen des Deutschen Freidenker-Verbandes, wie bspw. die Namensweihe, die Jugendweihe, die Trauerfeiern und die säkulare Aufklärung anders organisatorisch gestaltet. Der eigenständige Verband der deutschen Freidenker wurde erst ab 1988, 1989 in einer politisch sehr turbulenten Zeit wieder gegründet. In der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) entstanden nach dem zweiten Weltkrieg wieder Freidenker-Verbände, aber die traditionellen Kirchen behaupteten ihren privilegierten gesellschaftlichen Status.
Die Freidenkerbewegung hat wesentlich zur Entwicklung einer säkularen Gesellschaft in Deutschland beigetragen. Ihre Ziele sind sehr vielfältig:
Frieden, Abrüstung und Freundschaft zu allen Völkern
Religionsfreiheit: Freidenker setzen sich für die vollständige Trennung von Staat und Kirche ein und fordern die Gleichberechtigung aller Weltanschauungen.
Vernunft und Wissenschaft: Sie betonen die Bedeutung kritischen Denkens, wissenschaftlicher Erkenntnis und des Einsatzes der Vernunft bei der Lösung gesellschaftlicher Probleme.
Humanismus: Freidenker orientieren sich an humanistischen Werten wie Toleranz, Solidarität und Achtung der Menschenwürde.
Ethische Erziehung: Sie fördern eine ethische Erziehung, die nicht auf religiösen Dogmen, sondern auf menschlichen Werten und Vernunft beruht.